
Führungskräfte stehen täglich unter Druck: Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen, Konflikte klären, Veränderungen begleiten. In diesem anspruchsvollen Umfeld wirken Gefühle oft wie ein Störfaktor – etwas, das man besser kontrollieren oder ausblenden sollte. Doch meines Erachtens ist genau das Gegenteil zielführend: Gefühle nutzen als ein wichtiger innerer Kompass – auch und gerade in der Führung.
Was Sie über Gefühle als Führungskraft wissen müssen:
1. Studien der Harvard Business School zeigen: Führungskräfte mit hoher emotionaler Intelligenz erzielen signifikant bessere Teamleistungen und höhere Mitarbeiterzufriedenheit.
2. Neurowissenschaftliche Forschung belegt: Unter starkem Stress schaltet das Gehirn in einen „Überlebensmodus“ – die Aktivität im präfrontalen Cortex (zuständig für klares Denken und gute Entscheidungen) sinkt messbar.
➡️ Bedeutet: Wer seine Emotionen nicht bewusst reguliert, verliert genau dann an Klarheit, wenn sie am dringendsten gebraucht wird.
• Angst weist auf Risiken hin.
• Wut zeigt, dass Grenzen überschritten oder wichtige Werte verletzt wurden.
• Unsicherheit oder Anspannung machen deutlich, dass eine Situation besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Werden diese Signale ignoriert oder unterdrückt, reagieren wir impulsiv, ziehen uns zurück oder treffen Entscheidungen unter unnötigem Druck.
Wirksame Führung beginnt deshalb mit emotionaler Selbstwahrnehmung. Die besonders gute Nachricht dabei: Emotionale Selbstwahrnehmung und Kompetenz ist trainierbar. Es geht in Führungspositionen also nicht darum, Gefühle zu vermeiden – sondern den eigenen Umgang mit ihnen bewusst zu gestalten.
Hilfreiche Ansatzpunkte im Führungsalltag:
_Gefühle frühzeitig wahrnehmen und benennen
_körperliche Stresssignale ernst nehmen und aktiv regulieren
_ganz wichtig: Gedanken überprüfen: Handelt es sich um Fakten – oder um Annahmen?
_persönliche Auslöser und typische Reaktionsmuster (er)kennen
Und genau hier liegt die Herausforderung: Selbstreflexion unter Druck fällt schwer. Eigene Muster bleiben oft unsichtbar, weil wir sie seit Jahren automatisch leben. Hier setzen wir auch im Coaching an: blinde Flecken erkennen; emotionale Auslöser und Denkgewohnheiten verstehen; neue Handlungsoptionen in herausfordernden Führungssituationen entwickeln; emotionale Stabilität gezielt trainieren;...
Studien aus der Führungsforschung zeigen, dass dadurch die Selbstwahrnehmung, Entscheidungsqualität und Führungseffektivität messbar verbessert werden. Und doppelter Gewinn: Die emotionale Stabilität der Führungskraft wirkt direkt auf das Team: Sie schafft Orientierung, Vertrauen und psychologische Sicherheit – die Grundlage für Leistung und Veränderungsfähigkeit. Denn mit wachsender Selbstreflexion wächst die Fähigkeit, auch unter Druck klar, ruhig und souverän zu handeln.


